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Bürgerliche wollen die Preise in Stadtzürcher Kitas anheben

Zu günstig

Bürgerliche wollen die Preise in Stadtzürcher Kitas anheben

Die Tarife der zwölf stadteigenen Kitas sind günstiger als die durchschnittlichen Preise privater Kindertagesstätten in Zürich. Bürgerliche aus dem Gemeinderat fordern, die Preisstrukturen anzupassen und auf ein einheitliches Niveau zu bringen.

Wer sein Kind in einer städtischen Kita unterbringt, zahlt maximal 120 Franken pro Tag. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Säugling oder ein etwas älteres Kleinkind handelt. In privaten Kindertagesstätten gibt es je nach Alter des Kindes jedoch unterschiedliche Preise. Gemäss einer Untersuchung von KPMG lag der Median bei den Tarifen für Kleinkinder im Jahr 2019 bei 125 Franken pro Tag. Bei Säuglingen betrug der Preis im Mittel 145 Franken.

«Der tiefere Ansatz der städtischen Kindertagesstätten ist in vielerlei Hinsicht problematisch», heisst es in einem Postulat der Gemeinderäte Mélissa Dufournet (FDP) und David Ondraschek (Die Mitte). Die beiden fordern den Stadtrat auf, zu prüfen, wie die Preisstruktur der städtischen Kitas an jene der privaten angepasst werden kann.

Preisdruck für private Kitas

Die beiden begründen den Vorstoss damit, dass private Kindertagesstätten durch die günstigeren Tarife der Stadt-Kitas unter Druck geraten. Ausserdem würden alle Familien gleichermassen von den tieferen Preisen profitieren, da die Stadt die finanziellen Verhältnisse bei der Aufnahme in eine Kita nicht prüfe. «Das resultiert in einer Ungleichbehandlung zwischen den Leistungsbeziehenden privater und städtischer Kindertagesstätten», heisst es im Postulat.

Dufournet und Ondraschek betonen weiter, dass der Normkostensatz für subventionierte Kita-Plätze im Dezember 2022 von 121 auf 131.20 Franken erhöht wurde. Die Begründung dafür war, dass «private Kindertagesstätten mit einem Ansatz von 121 Franken nicht profitabel wirtschaften können». Es sei nicht sinnvoll, private Kitas einerseits zu stützen und andererseits zu konkurrenzieren.

Branche stellt sich gegen Wettbewerbsverzerrung

«Die Erhöhung der Normkosten war notwendig. Die laufenden Kosten haben sich für Kitas erhöht, unter anderem durch die Teuerung und den Fachkräftemangel», erklärt Maria Dörnenburg, Leitung Region Zürich beim Verband Kinderbetreuung Schweiz «Kibesuisse». Dieser setzt sich ein für einen Ausbau der Kita-Plätze, wobei sowohl die Qualität der Betreuung als auch die Finanzierbarkeit für die Eltern im Zentrum stehe.

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«Kibesuisse» befürwortet eine Vielfalt an Betreuungsangeboten, damit die Eltern eine Wahlfreiheit haben und genügend Plätze vorhanden sind. Ein gewisser Wettbewerb und unterschiedliche Tarife seien hierbei normal, erklärt Dörnenburg. «Wenn der Unterschied zwischen städtischen und privaten Kitas aber so gross ist, dass eine Wettbewerbsverzerrung stattfindet, kann dies das Angebot der privaten Kitas nicht nur konkurrenzieren, sondern auch bedrohen.» Dies sei weder im Interesse der Stadt noch der Branche und schon gar nicht der Eltern.

«Die Schere zwischen den Tarifen ist weiter aufgegangen», sagt Dörnenburg. Preise in städtischen Kitas bleiben gleich, während Private ihre Tarife aufgrund wirtschaftlicher Gegebenheiten anpassen müssen. «Kibesuisse» sei es ein Anliegen, dass die finanzielle Belastung für die Eltern verringert werde. «Mit im Schnitt 70 Prozent tragen die Eltern einen zu grossen Teil der Betreuungskosten.» Der Verband befürworte finanzielle Hilfe für möglichst viele Familien, die jedoch unabhängig von städtischen oder privaten Kitas vergeben werden soll.

«Die Kita-Tarife müssen runter»

Mehr finanzielle Hilfe für Eltern wünscht sich auch SP-Gemeinderat Marcel Tobler. Für ihn ist die Stossrichtung des Postulats deshalb falsch. «Der umgekehrte Weg wäre richtig, denn die Elterntarife müssen runter», sagt Tobler. Er selbst wehre sich jedoch nicht zwingend gegen den Vorstoss, da die städtischen Kindertagesstätten nur etwa drei Prozent der Kita-Plätze in Zürich ausmachen.

Solange die Angestellten gut ausgebildet, die Arbeitsbedingungen fair und die Löhne anständig sind, stört sich Tobler auch nicht an den vielen privaten Einrichtungen. Es brauche jedoch mehr Subventionen für Kita-Plätze im Allgemeinen. Zur Finanzierbarkeit kann sich der SP-Gemeinderat eine Subventionierung auf kantonaler oder gar schweizweiter Ebene vorstellen.

«Hauptsächlich ist das ein Thema der Gleichstellung», sagt Tobler. Wenn Kita-Plätze nicht so teuer wären, könnten viel mehr Eltern, vor allem die Mütter, ihre Karriere verfolgen. Ausserdem spricht sich Tobler aus für eine umfassendere Elternzeit. «Säuglinge kommen teilweise schon im Alter von wenigen Monaten in die Kita. In solchen Fällen ist die Betreuung einfach viel kostspieliger», erklärt Tobler. Denn gerade für junge Eltern seien Kindertagesstätten oft zu teuer.

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 18. Oktober 2023 05:53
aktualisiert: 18. Oktober 2023 05:55