Round Rivers_Bademode
Foto: Radio 24
Zürich

Nachhaltige Bademode aus Limmat-Plastik

Vom Architekten zum Modedesigner: Peter Hornung macht aus alten PET-Flaschen, die in der Limmat angeschwemmt werden, schöne, nachhaltige Bikinis und Badekleider unter dem jungen Label «Round Rivers».

Plastikmüll und PET-Flaschen gehören (leider!) zum Bild unserer Flüsse dazu, genau so wie die Enten, die darin schwimmen. In Zürich sammeln sich jährlich ca. 12'000 Flaschen in der Limmat an. Für dieses Problem muss es doch eine nachhaltige Lösung geben. Das dachte sich auch der Zürcher Peter Hornung, gelernter Architekt, und gründete das Label «Round Rivers»: Ein Modelabel, das sich auf Bademode aus PET spezialisiert hat. Fasziniert vom schwimmenden Abfall, fischt er das Material für seine Bademode eigenhändig aus dem Rechen des Wasserkraftwerks beim Letten.

«Beim Schwimmen hat es mich gepackt!»

Mit einer Teichzange auf Material-Fang
Der Modebranchen-Quereinsteiger musste für die Realisation seiner Vision allerdings zuerst das Elektrizitätswerk in Zürich von seiner Idee überzeugen. Jetzt darf Hornung im Sommer wöchentlich und im Winter jede zweite Woche beim Wasserwerk vorbeischauen und mit einer Teichzange das PET aus dem Wasser fischen.

«Ich fische den ganzen Plastik selbst aus der Limmat»

Das Gefangene bringt er dann zum Recycler, wobei nur die durchsichtigen Flaschen brauchbar sind. Jeder Besuch ergibt ungefähr zwei 110-Liter-Sammel­säcke, gefüllt mit reinem Rohmaterial zur Wiederverwertung. Aus vier Flaschen entsteht ein Badkleid. Insgesamt fischte er bisher über einen Zeitraum von sechs Monaten 6000 Flaschen aus dem Wasser – das entspricht 1500 Outfits.

Um aus den PET-Flaschen den Stoff für die Bademode herstellen zu können, müssen sie zu kleinen Flakes zerhäkselt, zu Garn gesponnen und schliesslich zum Textil gewoben werden. Klingt gar nicht mal so kompliziert, war es aber doch. Erst nach langer Suche fand Hornung lokale Firmen, die seine Ware verarbeiteten. Gewoben und gefärbt werden die Badekleider in Italien, kurz nach der Grenze bei Como, von familiengeführten Manufakturen, die auf nachhaltigen Ökostrom setzen.

Fun Fact: Durch den vermiedenen Verbrennungsprozess der 6000 Flaschen, die im zweiten Halbjahr 2019 gesammelt wurden, konnte rund 1 Tonne CO2 eingespart werden.

PET sollte nur da eingesetzt werden, wo es auch Sinn macht
Am liebsten sähe es Peter Hornung natürlich, wenn sich Round Rivers zu einem grösseren Brand entwickeln würde. Im Moment führt er das junge Unternehmen allein. Visuelle Unterstützung erhielt er jedoch von der Zürcher Fotografin Sara Merz und dem Grafikbüro Offshore Studio.

Das recycelte Material eignet sich übrigens nicht nur für Bademode: Der Gründer spielt schon mit dem Gedanken, Winterjacken, Sportbekleidung und Rucksäcke aus Polysterfasern herzustellen.

Quelle: Radio 24