Tabu-Thema Alter

In Würde sterben: Ein Gespräch mit Ludwig A. Minelli und Silvan Luley von Dignitas

Der Verein Dignitas – Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben – setzt sich ein für die Verwirklichung der Selbstbestimmung im Leben und am Lebensende. Im Gespräch erzählen Ludwig A. Minelli und Silvan Luley vom Alltag in der Organisation und warum es urmenschlich sei, dass man geliebte Menschen nicht verlieren möchte.

Das ganze Gespräch mit Ludwig A. Minelli und Silvan Luley

24 Teilzeitmitarbeiter beschäftigt Dignitas heute. Ein Drittel der Arbeit sei die Beratung von Menschen aus der ganzen Welt, erzählt Silvan Luley im Gespräch. Dabei gehe es um Lebensqualität, um die Gestaltung des Lebensendes, um Palliativpflege und um viele andere Themen. Nur in ganz wenigen Fällen komme es zum letzten Schritt – dann würde man gemeinsam anschauen, ob es eine Möglichkeit gäbe um aus dem Leiden und Leben auszutreten.

Belastungsprobe für die Familie

Im Gespräch mit Radio 24 geben Silvan Luley und Ludwig A. Minelli Einblick in die Philosophie von Dignitas: «Der Mensch soll ein freies Leben führen», sagt Ludwig A. Minelli. Im Zentrum stünde die Verwirklichung der Selbstbestimmung im Leben und am Lebensende. 

Ist der Entscheid gefallen, stellt es Familien oft auf die Probe: «Es ist urmenschlich, dass man einen Menschen, den man liebt, nicht gehen lassen möchte», sagt Silvan Luley. Es brauche viel Zeit, viel Raum und viele Gespräche, um das gemeinsam anzuschauen. 

Foto: Keystone

Ein Abschied für immer

Ludwig A. Minelli erzählt von einem Arzt, der sich für den Weg mit Dignitas entschieden hatte. Der Sohn des Arztes habe völlig abgelehnt, dass sein Vater diesen Weg gehe. Minelli habe den jungen Mann daraufhin zu sich eingeladen und zwei Mal drei Stunden mit ihm gesprochen. «Dann hat er begriffen, dass ein Suizid in begleiteter Form wohl überlegt nichts Schändliches ist», so der Dignitas-Gründer. Man schleiche sich nicht davon und hinterlasse viele offene Fragen. Im Gegenteil bestünde sogar die Möglichkeit, sich zu verabschieden, dass man sogar noch Dinge bereinigen könne. Es sei nichts Unehrenhaftes, sondern etwas Überlegtes, etwas Würdiges.

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