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Tabuthema häusliche Gewalt

«Die Schläge waren nicht der schlimmste Teil»

Die Polizei rückt im Kanton Zürich durchschnittlich fast 15 Mal pro Tag wegen häuslicher Gewalt aus. In der Schweiz stirbt fast alle zwei Wochen jemand aufgrund häuslicher Gewalt. Wir scheinen ein Problem zu haben. Zeit, darüber zu sprechen.

Man sage ja, es gebe nur zwei Gefühle, sagt Louise Hill im Interview mit Radio 24; Liebe und Angst. So gross wie die Liebe zu Beginn der Beziehung war, wurde mit der Zeit die Angst vor ihrem Mann, erzählt sie. Louise Hill lebte mehr als 20 Jahre mit ihrem gewalttätigen Mann, wurde von ihm bedroht und geschlagen. Aber nicht die Schläge seien das schlimmste gewesen, sondern die Drohungen, erzählt sie im Videointerview.

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Quelle: Radio 24

Das ganze Interview mit Louise Hill kannst du hier in voller Länger anhören:

Interview Louise Hill

Louise Hill ist mit ihrem Schicksal nicht alleine. Letztes Jahr wurden in der Schweiz über 19'000 Straftaten im häuslichen Bereich von der Polizei registriert. In rund 70% der Fälle sind die Opfer weiblich. Bei Tötungsdelikten sind die Zahlen noch krasser. Frauen werden sieben Mal mehr in den eigenen vier Wänden getötet als Männer. Die körperliche Gewalt ist also vor allem männlich.

Martin Bachmann hilft Männern, die ihren Partnerinnen gegenüber gewalttätig werden. Als stellvertretender Leiter der Beratungsstelle «Mannebüro» versucht er, mit den Männern Methoden zu finden, wie sie sich selbst beruhigen können. Bevor die Fäuste fliegen.

Interview Martin Bachmann «Mannebüro»

Männer sind aber nicht nur Täter. Männer können auch Opfer von Gewalt werden – was in 30% aller Straftaten im häuslichen Bereich der Fall ist. Diese Gewalt ist oft nicht physisch, sondern vor allem psychisch. Psychische Gewalt, das sind etwa Drohungen, Erpressung, Erniedrigung, oder das Ausüben von psychischem Druck. Zuflucht und Beratung finden Betroffene im Männer- und Väterhaus «ZwüscheHalt». In der Gesellschaft wird Gewalt gegen Männer mehrheitlich totgeschwiegen.

Beitrag zum Männer- und Väterhaus: Auch Männer können Opfer sein

Gewalt in Paarbeziehungen und Familien sei in der Gesellschaft ein Tabuthema, sagt die Leiterin der Stiftung Frauenhaus Zürich, Susanne Peter. Betroffene schämen sich dafür, dass die Beziehung scheitert und haben das Gefühl, auch sie selbst wären gescheitert. Es brauche ein Umdenken – und das werde nur durch Aufmerksamkeit erreicht.

Susanne Peter: «Das Thema braucht Aufmerksamkeit»

Opferberatung:
Hier erfahren Opfer schweizweit, wo sie sich kostenlos und vertraulich Hilfe holen können.

Text, Audio und Video: Laura Dünser in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW.

Quelle: Radio 24