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Schweiz am Wochenende

Netter Nachbar von nebenan oder aus der rechtskonservativen Ecke? Wer ist Andreas Gabalier wirklich?

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Die Radios spielen ihn kaum. Kritiker stellen ihn in die rechtskonservative Ecke. Als Entertainer jedoch setzt der österreichische Volks-Rock’n’Roller Massstäbe. Wer ist Andreas Gabalier wirklich?

Es braucht gar nicht viel, um eine Konzerthalle in eine Après-Ski-Ballermann-Festhütte zu verwandeln. «Hodi odi oh di ho di eh» reicht, und schon stehen alle und schunkeln, als wäre man in Sölden oder auf Mallorca. Andreas Gabalier ist eines der grossen Phänomene im deutschsprachigen Raum. Zu seinen Konzerten kommen jeweils Zehntausende, in schöner Regelmässigkeit sind die Auftritte des 32-jährigen Österreichers innert kurzer Zeit ausverkauft, das Publikum kommt verkleidet in Dirndl und Lederhosen.

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Quelle: youtube

Und das alles macht er ohne die Hilfe der Radios. In der Schweiz wurden seine Songs in den letzten 30 Tagen nicht einmal dreissig Mal gespielt. Zum Vergleich: Der Rag’n’Bone Man wurde im gleichen Zeitraum fast 2000 Mal runtergedudelt. Klar, die Zeiten, als Radios noch Stars machten, sind längst vorbei – Youtube und Spotify grüssen freundlich -, aber irgendwas scheint da doch schiefzulaufen, oder?

Andreas Gabalier sitzt in kurzen Hosen da und grinst: «Es ist ein Segen, dass wir von den Radios nicht gespielt werden.» So hätten die Leute noch Hunger auf seine Songs und würden damit nicht schon den ganzen Tag beschallt. Am Anfang seiner Karriere sei er noch bei den Stationen betteln gegangen, seine Lieder zu spielen. «Mittlerweile weiss ich, dass die Leute meine Musik auch so finden.»

Nicht Teil des Musikkuchens

Gabaliers Song «Hulapalu» gehörte 2016 zu den von Streaming-Plattformen am meisten gespielten Songs. Gabaliers CD-Verkäufe sind auch sehr beachtlich, man könnte fast meinen, vom Radio so geschnitten zu werden, sei eines seiner Erfolgsgeheimnisse. «Und sowieso: Die Leute bei der Presse sollen selber entscheiden, über was sie berichten. Da sitzen ja lauter Musikexperten», grinst Gabalier.

Der abfällige Unterton ist nicht zu überhören. Er ist durchaus auch gewollt. So ist ein weiteres Erfolgsgeheimnis von Gabalier, eben nicht Teil des Musikkuchens zu sein.

Auf politische Korrektheit gibt er nichts, und ein SPÖ-Wähler ist er sicher auch nicht. Erst kürzlich grüsste er den grünen österreichischen Bundespräsidenten Alexander van der Bellen via Facebook höchst ironisch: Dekoriert mit einem Tischtuch als Kopftuch und einem Schnaps in der Hand, kommentierte er so eine Aussage des Politikers zum Umgang mit dem Islam und der um sich greifenden Islamophobie. Der Applaus aus rechtspopulistischen Kreisen liess nicht lange auf sich warten.

Derzeit liefert Gabalier sich aber auch einen Gerichtsstreit mit dem Wiener Konzerthaus-Direktor. Dieser hatte gesagt, er würde den Sänger nicht bei sich auftreten lassen, da man wisse, «wofür er steht», und dass man damit «ein Signal» aussende. Der muskelbepackte Hitproduzent will sich das nicht bieten lassen, über Anwälte verklagte er den Direktor und liess ausrichten, er wolle «sich nicht in die rechte Ecke drängen lassen».

Grundsolide Unterhaltung

Ungeachtet dessen: Gabalier ist stets ein Thema. Auch das ist eines seiner Erfolgsgeheimnisse: Über Andreas Gabalier kann man recht lange sprechen, ohne über seine Musik zu reden. Sein selbstbetitelter «Volks-Rock’n’Roll» ist zwar grundsolide Unterhaltung, aber eigentlich deutlich näher beim Schlager als beim Rock. Mitsingen, mitschaukeln, mitwippen ist leicht und gehört dazu.

Sowieso: Gabalier funktioniert vor allem da, wo eben am besten gesungen, geschunkelt und gewippt werden kann. Also live. Seine CDs sind in erster Linie Vehikel, um das Publikum erneut an Konzerte zu locken. Dort ist er dann der Entertainer, der mit seinem Bizeps mindestens so stark punktet wie mit seinem Gesang. Und live ist er tatsächlich überzeugend. Er kann Nähe schaffen und wirkt dabei wie der nette Nachbar von nebenan. Und er ist sich nie zu schade, den Kontakt mit seinen Fans zu suchen.

Es sei «Musik für Leute, die mit der Globalisierung wenig anfangen können», sagte ein Musikproduzent über Gabalier. Eben für jene, die mit dem Rag’n’Bone-Gedudel am Radio nichts am Hut haben und die sich aufregen, wenn ein Popstar mal wieder die Welt besser machen will. Gabalier ist einer, mit dem man gerne ein «Schnapserl» trinken würde, einer von uns. In der komplett überbelichteten Showbusiness-Welt ist das ein wohltuender Kontrapunkt. Die Musik ist da manchmal fast ein bisserl Nebensache.

Andreas Gabalier Live: Freitag, 16. Juni St. Gallen Kybunpark 18.30 Uhr; Gabalier und Trauffer: Samstag, 17. Juni Birrfeld/Aargau.

Ein unschlagbares Paar

In der Schweiz ist Trauffer ein vergleichbares Phänomen. Auch er lässt in seinen Texten kein tümelndes Klischee aus. Begleitet von Kuhglocken, Jodlerchörli und Schwyzerörgeli glorifiziert er die Heimat und zelebriert die heile Welt der Berg- und Landgemeinschaft. Auch er ist ein begnadeter Entertainer, der sich durch unzählige Konzerte eine solide Fanbasis erspielt hat, und gewinnt mittlerweile mit seiner Musik auch mehrere «Swiss Music Awards». Auch er findet weder im Radio noch in den Medien statt, sondern vor allem auf der Bühne.
Live sind Gabalier und Trauffer tatsächlich ein unschlagbares Paar. Schon verschiedentlich sind sie zusammen aufgetreten. Jetzt wieder am kommenden Samstag, 17. Juni, auf dem Aargauer Birrfeld. Das passt.
Und doch gibt es Unterschiede: Während Gabaliers Herz deutlich rechts schlägt, sieht sich Trauffer nicht in der rechtskonservativen Ecke. Als Parteiloser sass er in seiner Wohngemeinde Hofstetten einige Jahre im Gemeinderat. Zu Gabalier und politischen Dingen will er heute keine Aussage machen. Doch vor einem Jahr sagte er in einem Interview mit dieser Zeitung, dass er sich «als «typischen Wechselwähler mit sozialem Gewissen sieht, der in der Mitte positioniert ist und sachpolitisch mit gesundem Menschenverstand politisiert».
«Wir haben den mal zu uns eingeladen, um in Österreich Konzerte zu spielen», sagt Andreas Gabalier über den Berner Musiker, «er wollte aber nicht, er hatte wohl Angst, dass ihn niemand versteht.» Oder vielleicht auch, weil er zu Gabalier eine gewisse Distanz behalten will. (sk)

Von Michael Graber

 

Quelle: Schweiz am Wochenende 9.6.2017

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