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Schweiz am Wochenende

Fakten zu Che Guevaras Leben

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Dieser Artikel erschien ursprünglich in die "Schweiz am Wochenende".

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Drei Booster befeuerten Ches Wandel vom bohèmehaften Abenteurer, Student und Easy Rider zum harten stalinistischen Massenführer mit blutigen Händen: Eindrücke während einer Töffreise durch Lateinamerika, der Putsch gegen einen Präsidenten mit Schweizer Wurzeln und der Kontakt zu Fidel Castro.

Exilanten des Spanischen Bürgerkriegs waren oft Gäste im Haus Guevara in Argentinien. Da wuchs Ernesto (1928–1967) in einem grossbürgerlich links-republikanischen Milieu auf. Vor Abschluss eines Medizinstudiums befuhr er mit einer Norton Modell 18 Lateinamerika. Die riesige Kluft zwischen Arm und Reich bestürzte, der Putsch in Guatemala gegen Präsident Jacobo Arbenz, Sohn eines Schweizers und einer Mestizin, empörte ihn, zumal es den USA und der CIA 1954 nur darum ging, US-Interessen zu wahren.

Die Ereignisse machten Che zum glühenden Stalinisten: «Vor einem Bild Stalins habe ich geschworen, nicht eher zu ruhen, bis diese kapitalistischen Kraken vernichtet sind.» Einen anderen Brief unterzeichnete er mit «Stalin II.» Den Kampf nur mit Pamphleten und Protestmärschen zu führen, hielt Che für hasenfüssig; es sollte immer und von Beginn weg ein bewaffneter Kampf sein.

In Guatemala und Mexiko lernte er, dank der spanischen Exilanten, Leute aus Kuba kennen, darunter Fidel Castro. Hier lag endlich die Chance zum Kampf. Fidel kaufte die Motorjacht «Granma»; am 2. Dezember 1956 erreichten sie Kuba. Bald zeigte sich Ches militärische Fähigkeit, vor allem bei der Eroberung von Santa Clara. Gleichzeitig war er verantwortlich für Exekutionen mutmasslicher Deserteure und vollstreckte die Urteile teilweise selbst.

Jetzt auf

Nach dem Triumph setzte sich diese blutige Handschrift fort, nicht nur gegen mutmassliche Feinde des Regimes, sondern auch gegen Homosexuelle. Da, wo heute Tausende Touristen flanieren, auf der Festung Moro, schmachteten die politischen Gefangenen. Che errichtete Straf- und Arbeitslager, wohin Leute geschickt wurden, die zu wenig «Motivation» zeigten bei Ches brachial angeordneten Produktionssteigerungen. Materielle Anreize verdammte er; allein die Moral sollte Antrieb sein, alles zu geben. Der propagierte «neue Mensch» lebte nur um der sozialen Tugend willen.

Differenzen mit Fidel und der Sowjetunion, der Ches starre Stalin-Bewunderung missfiel, führten 1965 dazu, von allen Ämtern zurückzutreten. Che tauchte ab und im Kongo als Rebellenführer wieder auf. 1967 nahm er den Kampf in Bolivien auf. Am 8. Oktober 1967 geriet er mit letzten Getreuen in Gefangenschaft und wurde einen Tag später, auf Befehl des Präsidenten, exekutiert.

Von Max Dohner

Quelle: Schweiz am Wochenende 6.10.2017

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