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Schweiz am Wochenende

Das ist der neuste Modeschrei aus Paris – von Tragekomfort keine Spur, doch so chic!

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Dieser Artikel erschien ursprünglich in die "Schweiz am Wochenende".

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Man nennt sie Cruise, Croisière oder Resort: Die prunkvollen Sommerkleider für Reiche, die im Winter an die Sonne entfliehen, werden jetzt rund um den Erdball gezeigt.

Sie lösen Sehnsucht, Begehren und Wonne aus. Diese leichten, aber aufwendig und stilrein geschneiderten Garderoben für die Reling und den Strand; Cruise-Kollektionen werden sie genannt. Die Designer präsentieren sie jeweils im Frühling, ab November sind die edlen Stücke in den Luxusläden erhältlich und unterhalten den ganzen Winter über die Fashion Victims. 

Die erste Cruise-Kollektion lanciert hat Coco Chanel im 192O. Die geklärten, monumentalen Linien der Antike beherrschten zu dieser Zeit die Mode. Dass die kaufkräftige Aristokratie damals den Winter auf hoher See oder an der Riviera verbrachte, hatte die kluge Couturière blitzschnell begriffen.

Just hundert Jahre später geben Togen und Tuniken laut Karl Lagerfeld wieder den Ton an, weil die Griechen etwas gehabt hätten, das nachher verloren gegangen sei: «Der Körper war nicht versteckt, sondern so wichtig wie heute», betonte Chanels Chefdesigner diese Woche nach der Cruise-Show 2017/2018 zwischen haushohen Säulen im Grand Palais von Paris. Seine nur mit einer Kordel an der Taille betonten, sackartigen Minikleider seien seine moderne Botschaft eines ungehemmten Stils, der das Zeug hat, ein grosser Trend zu werden. Der Clou: Bis zum Knie hochgeschnürte Römersandalen in Knallerfarben, mit dicken Sohlen und hohen Absätzen. Von Tragkomfort keine Spur, doch so chic!

Keine Show auf der Akropolis

Bei Prada kommt das Prinzip von Dionysos’ Jagdstiefeln ans Handgelenk in Form eines mit Riemen umgebundenen Handschuhs, präsentiert im Kaufhaus Vittorio Emanuele II, das nicht mindere Bauwerke als den Mailänder Dom und die Scala verbindet. Seit Fendi 2007 mit einer Präsentation auf der Chinesischen Mauer gehofft hatte, man sehe die Klamotten vom Mond aus, buhlen die Luxushäuser für die Präsentation der Kollektionen um weltweit ausstrahlende Austragungsorte. Gucci muss sich Ende Mai mit dem Florentiner Renaissance-Palast Pitti begnügen; die griechischen Behörden hatten dem ursprünglichen Ansinnen, den Laufsteg auf der Akropolis auszubreiten, eine Absage erteilt.

Von Esther Elionore Haldimann aus Paris 

Quelle: Schweiz am Wochenende 12.5.2017

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