Unfälle

Fussgänger crashen in Zürich oft mit 2er-Tram – das steckt dahinter

Das Tram der Linie 2 in der Stadt Zürich erfasste in letzter Zeit einige Fussgängerinnen und Fussgänger. Der Verein Fussverkehr Schweiz führt dies auf eine Täuschung zurück.

Tramchauffeure brauchen Nerven aus Stahl. An manchen Tagen flitzen Passantinnen und Passanten gerne aus allen Richtungen vor den Trams durch. «Was da manchmal auf diesen Tramgleisen abgeht, ist ja sagenhaft», fasste eine Passantin die brenzligen Situationen etwa an der Bahnhofstrasse zusammen.

Immer wieder kommt es aber auch vor, dass es für einen Stopp nicht mehr reicht – die Trams erwischen Fussgängerinnen und Fussgänger. Spitzenreiter solcher Unfälle ist aktuell das 2er-Tram.

Von leicht verletzt bis zu Todesfall

Am 12. Januar erfasste ein 2er-Tram auf der Strecke zwischen Letzigrund und Albisriederplatz eine 21-jährige Frau, die bei der Norastrasse den Fussgängerstreifen überquerte. Sie wurde schwer verletzt und musste in kritischem Zustand ins Spital gebracht werden. Glück hatte ein Fussgänger an Neujahr auf der Linie 2 zwischen Zürich, Letzigrund und Grimselstrasse. Beim Zusammenstoss wurde der laut Polizeiangaben Fussgänger «jüngeren Alters» leicht verletzt.

Auf derselben Strecke passierte im September 2022 ein Unfall. Ein 2er-Tram schleifte auf der Strecke zwischen dem Albisriederplatz in Richtung Letzigrund einen 63-jährigen Mann rund 30 Meter mit. Dabei zog er sich leichte Verletzungen zu. Tragisch endete ein Zusammenstoss im Seefeld. Ein Cobra-Tram erfasste eine 95-jährige Frau beim Überqueren der Strasse. Im Spital erlag sie ihren schweren Verletzungen.

Tram hat immer Vortritt

Der Verein Fussverkehr Schweiz macht sich unter anderem für die Sicherheit der Fussgängerinnen und Fussgänger im Tramverkehr stark. Bei den genannten Unfällen die Chauffeure und Chauffeusen in die Pflicht zu nehmen, läge dem Verein aber fern. «Das Tram hat immer Vortritt – selbst am Fussgängerstreifen», sagt Dominik Bucheli, Projektleiter für Verkehrssicherheit.

«Falsches Gefühl»

Unfallbrennpunkt auf der Linie 2 ist der Bereich um den Letzigrund herum. Dominik Bucheli führt dies auf eine Täuschung zurück. Autos zwischen Albisriederplatz und Altstetten seien langsamer unterwegs, sagt er. Grund dafür seien das hohe Verkehrsaufkommen und Lichtsignale. «Das 2er-Tram hat dagegen schon 50 km/h drauf, weil es freie Fahrt hat.» Manche Fussgängerinnen rechneten deshalb mit langsameren Trams, wenn das 2er-Tram angeflitzt komme. «So glauben sie fälschlicherweise, es ‹schon noch schnell› über die Strasse zu schaffen.»

Die meisten Unfälle zwischen Personen und Trams passieren laut Bucheli an Tramhaltestellen in der Nähe des Wohnorts. «Oft sprinten diese Passagiere auf den letzten Drücker auf das Tram, was aber plötzlich fatal enden kann.» Um solche Unfälle nicht zu riskieren, rät er, besser etwas zu früh aus dem Haus zu gehen. Dazu gehöre auch, die Augen auf die Strasse und nicht auf das Smartphone zu richten. «Alles, was mit Tippen zu tun hat, erhöht die Unfallgefahr – auch bei Fussgängern.»

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Einen weiteren möglichen Grund für die erhöhte Anzahl Fussgängerunfälle auf der Linie 2 vermutet der Verkehrssicherheitsexperte im Passagieraufkommen. 2019 verlängerte die Stadt Zürich die Strecke über den Farbhof hinaus bis nach Schlieren. «Je mehr Passagiere unterwegs sind, desto mehr kommt es zu Unfällen», so Bucheli. Besonders gefährdet seien Seniorinnen und Senioren. «Sind sie nicht mehr gut zu Fuss, können sie im Gegensatz zu jüngeren Menschen nicht mehr reagieren, wenn sie einen Fehler gemacht haben.»

Zebrastreifen mit Warnhinweisen

Die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) registrieren im ersten Halbjahr 2023 eine Zunahme von Fussgängerunfällen (31). Dazu zählen auch solche mit Bussen.

Zum Unfall-Spitzenreiter 2er-Tram nahmen die VBZ auf Anfrage keine Stellung. «Kollisionen und andere Unfälle, in welche ihre Fahrzeuge involviert sind, können leider an verschiedensten Orten und grundsätzlich auf allen Linien passieren», sagt VBZ-Mediensprecher Leo Herrmann. Die jeweiligen Umstände könnten sehr individuell sein. Die Ereignisse würden jeweils eingehend analysiert, damit sie allfällige orts- oder anderweitig bedingte Sicherheitsrisiken erkennen und beseitigen könnten.

Herrmann macht darauf aufmerksam, dass die Dienstabteilung Verkehr im Rahmen des Projekts «Zebra-Safari» alle Stadtzürcher Fussgängerstreifen sicherheitstechnisch überprüft und zahlreiche Anpassungen vorgenommen habe. «In den letzten Jahren wurden mehrere Dutzend Fussgängerstreifen mit Warnhinweisen versehen, um an den Vortritt des Trams zu erinnern.»

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 23. Januar 2024 06:49
aktualisiert: 8. Februar 2024 09:36