Lockdown Coronavirus Zürich
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UPDATE

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur aktuellen Situation

Der Bundesrat hat entschieden: In der ganzen Schweiz gilt wegen des Coronavirus die Notlage. Das heisst, alle Läden, Restaurant und Bars müssen schliessen. Ausgenommen sind Lebensmittelläden, Kiosks, Tankstellen, die Post und Apotheken. Aber was darf ich noch? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Die Zahl der infizierten Coronavirus-Patientinnen und Patienten steigt immer mehr an und die Lage inder Schweiz sowie auch in anderen Länder ändert sich stündlich. Radio 24 beantwortet die wichtigsten Fragen zur aktuellen Situation.

Wie sieht momentan die Lage in der Schweiz aus?

Der Bundesrat stuft die Corona-Situation als «ausserordentliche Lage» ein. Alle Läden, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe sind bis mindestens am 19. April 2020 geschlossen. Ausgenommen sind unter anderem Lebensmittelläden und die Gesundheitseinrichtungen. «Damit haben wir schweizweit einheitliche Regeln», sagt Bundespräsidentin Sommaruga.

Wie geht es für die Schülerinnen und Schüler weiter?

Die Bildungsdirektorin Silvia Steiner hat uns in einem Telefoninterview die wichtigsten Fragen zur aktuellen Lage und dem weiteren Vorgehen in allen Schulen beantwortet:

Was darf ich eigentlich noch?
Wir klären die dringendsten Hörerfragen.

Darf ich mich in Zürcher Pärken aufhalten?

In Zürich wurden viele beliebte Pärke geschlossen. Unter anderem:

  • Seeuferanlagen inklusive Utoquai
  • Blatterwiese
  • Wiese Zürichhorn
  • Arboretum
  • Badeanlagen Tiefenbrunnen und Mythenquai
  • Oberer Letten
  • Bäckeranlage
  • Fritschiwiese

Wie kann die Ausbreitung des Coronavirus gebremst werden?

Wir können die Ausbreitung nur bremsen und damit die Spitäler entlasten, wenn die Bevölkerung die Massnahmen befolgt. Der Bundesrat möchte soweit wie möglich auf eine Ausgangssperre verzichten. «Es ist nicht die Ausgangssperre, die uns schützt. Das kann man auch in anderen Länder sehen. Was uns schützt, ist unser Verhalten. Es ist unser Verhalten, das entscheidet, ob die Massnahmen erfolgreich sind», so Berset.

Darf ich mich mit Freunden treffen?

Grundsätzlich rät der Bundesrat von allen «unnötigen» Kontakten ab. Jegliche Art von Parties oder Einladungen auch im privaten Raum sind verboten. Seit neuem sind Treffen mit 5 Personen oder mehr bestrafbar. Das «Social Distancing» ist zentrale Voraussetzung für die Eindämmung der Epidemie.

Was droht einem, wenn man sich in einer Gruppe mit mehr als 5 Personen aufhält?

Wenn sich beispielsweise zehn Personen draussen treffen, gibt es für jede/n einzelne/n eine Busse von 100 Franken. Es sollen sich also alle - vor allem auch Jugendliche - an diese Regel halten. Heutzutage hat man viele weiter Möglichkeiten, sich austauschen zu können. Also gilt auch hier wieder: lieber zu Hause bleiben und miteinander telefonieren.

Gilt das Verbot von Gruppen mit mehr als fünf Personen auch für Familien und im Privatbereich?

Dieses Verbot gilt nicht für Familien. Dies betonte auch Berset. Wenn eine Familie 5 Kinder hat, heisst das nicht, dass 3 Kinder an einem anderen Ort leben müssen als die anderen zwei. Die Personen müssen sich allerdings trotzdem an die Hygiene- und Sicherheitsabstand-Massnahmen halten.

Darf man noch mit anderen Personen im Auto fahren?

Dies bestimme nicht der Staat, wie der Bundesrat Alain Berset sagt. Er appelliert hier an einen gesunden Menschenverstand und betont, dass sich jeder seiner eigenen Verantwortung bewusst sein muss.

Wie sieht es mit Bauarbeitern aus - werden die weiterhin ihre Arbeit ausüben können?

Der Bund verpflichtet die Arbeitgeber im Baugewerbe und in der Industrie zudem, die Empfehlungen des Bundes zur Hygiene und zum Abstandhalten einzuhalten. Betriebe, die sich nicht daranhalten, sollen geschlossen werden. Ausserdem stellt der Bundesrat den Kantonen ein Kontingent des Zivilschutzes zur Verfügung.

Darf ich noch zum Zahnarzt/zur Physiotherapie/zum Coiffeur?

Grundsätzlich gilt: Zum Zahnarzt oder in die Physiotherapie sollte man nur, wenn es dringend nötig ist.

Da gemäss Bundesrat in Coiffeurgeschäften der Abstand zwischen Kunde und Coiffeur nicht eingehalten werden kann, wurden alle Geschäfte vorerst bis zum 19. April geschlossen. Ähnlich sieht es auch bei den Kosmetikstudios aus. Wenn man sich also eine neue Frisur oder neue Nägel wünscht, muss man sich wohl oder übel gedulden.

Wie sieht es mit Beerdigungen und Hochzeiten aus?

Beerdigungen sind vom Bund nicht explizit verboten worden. Sie sollten aber in kleinem Rahmen stattfinden und es muss sich ans Social Distancing gehalten werden. Hochzeiten sollten hingegen verschoben werden.

Darf ich noch in die Kirche/in den Gottesdienst?

Grundsätzlich nicht. Alle öffentlichen Gottesdienste oder religiöse Feste sind momentan verboten. Einzig und allein bei Beerdigungen ist der engste Familienkreis in der Kirche erlaubt. Taufen, Erstkommunionen, Firmungen, Konfirmationen und Hochzeiten müssen verschoben werden. Für Einzelpersonen sollen die Kirchen jedoch weiterhin offen bleiben.

Was mache ich jetzt, wenn ich joggen/spazieren will?

Der Bundesrat hat die Bevölkerung dazu aufgerufen, alle unnötigen Kontakte zu vermeiden, Abstand zu halten und die Hygienemassnahmen zu befolgen. Es wurde aber keine Ausgangssperre verhängt. Spaziergänge oder auch Joggen sind somit nach aktuellem Stand nicht verboten. Der Bundesrat appelliert allerdings an alle, vor allem aber an die ältere Bevölkerung und die Risikogruppen, wenn immer möglich zu Hause zu bleiben.

Wenn ich mir den Fuss breche, darf ich dann trotzdem zum Arzt?

Bei akuten Erkrankungen oder Unfällen wird empfohlen, sich telefonisch beim Hausarzt zu melden. So kann man abklären, ob ein Besuch in der Praxis nötig ist oder nicht. Das gilt auch für psychische Erkrankungen.

Was mache ich, wenn mein Auto kaputt geht?

Autogaragen sind von der neuen Weisung nicht betroffen. Werkstätten für Transportmittel können also geöffnet bleiben und weiterhin genutzt werden.

Ich möchte umziehen – geht das aktuell noch?

Umziehen ist möglich, auch mit einem Umzugsunternehmen. Was schwieriger wird ist die Lieferung neuer Möbel, denn die Möbelhäuser sind ebenfalls alle geschlossen.

Ich sitze im Home Office und möchte mir etwas zu Essen bestellen.

Sich essen liefern zu lassen, ist weiterhin möglich. Auch Take Aways haben normal geöffnet sowie alle Lebensmittelgeschäfte wie Coop und Migros.

Können Personen, die bis jetzt in den Ferien waren zurück in die Schweiz reisen?

Schweizer Bürgerinnen und Bürger mit einer Aufenthaltsbewilligung und Personen, die in der Schweiz arbeiten, können nach wie vor in die Schweiz einreisen. Die EU hat bekanntgegeben, dass sie ihre Grenzen schliessen wird. Dies ändert aber nichts. Schweizer Bürgerinnen und Bürger oder sonstige Personen aus dem Schengenraum können zurück in ihr Heimatland reisen. Am besten so schnell wie möglich.

Muss ich weiterhin zur Arbeit?

Alle Läden, in denen sich Kunden aufhalten, sind grundsätzlich geschlossen. Ausser Lebensmittelgeschäfte wie Migros und Coop, Bäckereien, Metzgereien und Apotheken. Der Bund rät, dass man so gut wie möglich zu Hause bleiben soll – das gilt für Kunden und Kundinnen wie auch für VerkäuferInnen. Im Zweifelsfall kann man als Arbeitnehmende mit der entsprechenden Gewerkschaft oder aber dem Amt für Wirtschaft und Arbeit Kontakt aufnehmen und nachfragen.

Mein Arbeitgeber muss das Geschäft schliessen, erhalte ich noch meinen Lohn?

Es gibt kein Gerichtsurteil, welches das festlegt. Allerdings sagt das Staatssekretariat für Wirtschaft, dass klar, dass der Lohn geschuldet sei. Darum können sich Betriebe auch für Kurzarbeit anmelden, dann zahlt quasi der Staat den Lohn. Bei Kurzarbeit erhält man 80 Prozent des Lohnes. Die Sozialversicherungsbeiträge sind jedoch auf dem vollen Lohn geschuldet. Keine Kurzarbeit können Ein-Mann/Frau-Betriebe oder Personen, die auf Stundenlohn-Basis angestellt sind.

Was genau passiert bei Kurzarbeit mit den Sozialabgaben und PK-Beiträgen. Bezahlt der Arbeitgeber immer noch seinen Teil oder muss der Arbeitnehmer alles bezahlen?

Der Arbeitgeber muss während der Kurzarbeit die vollen gesetzlichen und vertraglich vereinbarten Sozialversicherungsbeiträge entsprechend der normalen Arbeitszeit bezahlen. Er ist berechtigt, die vollen Beitragsanteile der Arbeitnehmenden vom Lohn abzuziehen, sofern nichts anderes vereinbart worden ist.

Sind Überstunden bei Kurzarbeit erlaubt?

Wenn die normale bzw. mehr als die normale Arbeitszeit gearbeitet wird, besteht kein Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung.

Ich kann nicht zur Arbeit, weil ich auf meine Kinder aufpassen muss. Erhalte ich dennoch meinen Lohn?

Es herrscht die gesetzliche Pflicht, auf sein Kind aufzupassen und es zu versorgen, wenn es das Kind noch braucht. Das Kindeswohl verlangt, dass das Kind vor Ort zu betreuen ist. Deshalb wird auch in diesem Fall der Lohn ausbezahlt.

Darf ich zu meinem Schutz bzw. aus Angst vor einer Ansteckung von meiner Arbeit fern bleiben?

Ohne Einverständnis des Arbeitgebers gilt das Fernbleiben von der Arbeit aus Angst vor Ansteckung als unbegründete Arbeitsverweigerung. Deshalb soll man seine Sorgen lieber dem Arbeitgeber mitteilen und schauen, ob Home Office eine Möglichkeit darstellen würde.

Mein Arbeitgeber schickt mich in die Zwangsferien, darf er das?

Nein. Der Arbeitgeber darf Arbeitnehmende nicht einfach so in die Ferien schicken. Ferien sind zur Erholung der Arbeitnehmenden gedacht und nicht zur Reduzierung oder Abdeckung von Epidemie-Ausfällen.

Bleiben Kiosks geöffnet?

Ja. Kiosks decken den Grundbedarf ab, das heisst sie verkaufen Lebensmittel und Getränke. Kioske bleiben also geöffnet, ob an Bahnhöfen, Tankstellen oder an anderen Orten.

Was mache ich, wenn ich zur Bank muss?

Banken und Poststellen sind von der neuen Regelung nicht betroffen. Sie werden also weiterhin geöffnet sein. Man kann also weiter wie gewohnt zur Bank oder zur Post gehen.

Warum bleiben beispielsweise Kantinen offen?

Auch Kantinen sind für die Versorgung notwendig. Dort sind aber natürlich noch mehr Hygienemassnahmen gefordert als sonstwo. Damit auch hier der Abstand zwischen den Gästen gewahrt werden kann, sollten weniger Stühle aufgestellt werden.

Wer zahlt meinen Erwerbsausfall?

Die aktuelle Notlage betrifft selbständig Erwerbende am härtesten. Der Bund betont, dass er bei grossen wirtschaftlichen Ausfällen, die jetzt folgen werden, aushelfen und die Erwerbstätigen unterstützen wird. Welche Massnahmen genau getroffen werden, ist noch nicht bekannt. Hier braucht es noch ein wenig Geduld und viel Solidarität aus der Bevölkerung.

Meine Verwandten leben in Deutschland. Darf ich sie besuchen, wenn ich in der Schweiz lebe?

Auch in Deutschland ist es so: Deutsche Bürger und Bürgerinnen dürfen zurück in ihr Land. Deutschland selber empfiehlt, dass Familienbesuche nur gemacht werden sollen, wenn es absolut nötig ist, beispielsweise bei einer schweren Erkrankung eines Familienmitgliedes.

Mein Partner/meine Partnerin lebt im Ausland. Darf ich sie jetzt noch besuchen?

Paare, die in einer binationalen Beziehung sind (zum Beispiel eine deutsche Frau und ein Schweizer Mann oder eine Schweizer Frau und ein Französischer Mann) dürfen sich aktuell nicht mehr besuchen. Dies sei nur möglich, wenn ein Trauschein vorliegt. Paare, die jedoch nicht verheiratet oder verlobt seien, dürfen sich im Moment nicht mehr sehen. «Wir gewähren diesen Menschen keine Einreise mehr», erklärt Christian Bock von der Zollverwaltung.

Wichtige Hotlines des Kanton Zürich:

  • Die Hotline für Veranstalter ist erreichbar über die Telefonnummer 0800 044 117.
  • Für medizinische Fragen rund um das Coronavirus steht das Ärztefon unter der Telefonnummer 0800 33 66 55 zur Verfügung.

Massnahmen

Neu wird es Kontrollen an den Grenzen zu Deutschland, Österreich und Frankreich geben. Der Bundesrat bewilligt zudem zur Unterstützung der Kantone in den Spitälern, bei der Logistik und im Sicherheitsbereich den Einsatz von bis zu 8000 Armeeangehörigen. Zusätzlich empfiehlt der Bund allen Reisenden in die Schweiz zurückzukehren.

Welche Geschäfte müssen schliessen?
Grundsätzlich sind sämtliche öffentlichen und privaten Veranstaltungen verboten. Folgende Geschäfte dürfen ab Dienstag nicht mehr öffnen:

  • Non-Food-Geschäfte
  • Märkte
  • Restaurants
  • Bars
  • Museen
  • Bibliotheken
  • Kinos
  • Konzert- und Theaterhäuser
  • Sportzentren
  • Schwimmbäder
  • Skigebiete
  • Coiffeursalons
  • Kosmetikstudios
  • Tattoostudios
  • Casinos

Welche Geschäfte bleiben offen?

  • Lebensmittelläden
  • Take-aways
  • Betriebskantinen
  • Lieferdienste für Mahlzeiten
  • Apotheken
  • Spitäler, Kliniken und Arztpraxen
  • Tankstellen
  • Bahnhöfe
  • Banken
  • Poststellen
  • Öffentliche Verwaltung
  • Auch Leute auf dem Bau dürfen laut Bundesrat weiterarbeiten, wenn sie die Hygienemassnahmen einhalten können, also zum Beispiel Abstand halten

Für die Bevölkerung bedeutet das konkret, dass es beispielsweise auch keine Jassgruppe im Restaurant mehr geben, dass der geplante Wanderausflug nicht durchgeführt werden darf. Jegliche Ansammlung von Menschen müsse vermieden werden. «Das Leben geht weiter – langsamer und auf engerem Raum – aber es geht weiter», sagt Alain Berset. Wie der Bundesrat nochmals entschieden sagte, sind diese Massnahmen ernst zu nehmen. Es gibt keine Alternativen zu diesen Massnahmen. Der Bundesrat appelliert daher nochmals an die Bevölkerung: «Bleiben Sie zu Hause und vermeiden Sie den Kontakt zu anderen Menschen. Abstand halten kann Leben retten.»

Coronavirus: Verordnungen des Bundesrats im Überblick
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Quelle: CH Media Video Unit

Bundesrat Alain Berset betonte zudem, dass die Auslieferung von Nahrungsmitteln und Medikamenten sichergestellt ist. Hamsterkäufe sind nicht notwendig.

Das Coronavirus stellt den Alltag vieler Menschen auf den Kopf. Trotz Krise ist die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung riesig.

Quelle: Radio 24