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Schweiz am Wochenende

Nazis, Propaganda, Grossmütter: 7 spannende Fakten zum Muttertag

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Dieser Artikel erschien ursprünglich in die "Schweiz am Wochenende".

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Auch dieses Jahr wird der zweite Sonntag im Mai den Müttern gewidmet. Der Feiertag für die Mütter ist heute ein weit verbreiteter Brauch, dessen Ursprung 100 Jahre zurückliegt. Folgend sieben spannende Fakten.

1. Die Gründerin wollte ihn wieder abschaffen

Die US-Amerikanerin Anna Marie Jarvis startete eine Initiative zur Einführung eines offiziellen Feiertags zu Ehren der Mütter. Am 8. Mai 1914 war ihr Bestreben erfolgreich. Im Laufe der 1920er-Jahre ärgerte sich Jarvis jedoch zunehmend über die Kommerzialisierung des Feiertags. Daraufhin forderte sie, die Feier des Muttertags gerichtlich zu unterbinden, die Klage wurde jedoch abgewiesen. Sie war so verbittert darüber, dass sie 1923 wegen Störung einer Muttertagsfeier kurzzeitig ins Gefängnis musste.

2. Muttertag ist wie zweite Weihnachten

In den USA geben die Leute nur an Weihnachten mehr Geld aus als am Muttertag. Die nationale Einzelhandelsvereinigung schätzt, dass der US-Bürger durchschnittlich 172 Dollar pro beschenkte Mutter ausgibt. Der Deutsche Handelsverband gibt an, dass die Deutschen im Schnitt 25 Euro für Muttertagsgeschenke ausgeben. Obwohl ein Trend zu Sachgeschenken auffällt, sind die Blumen immer noch die Top-Seller. Auch in der Schweiz werden im Blumenhandel die grössten Umsätze des Jahres am Muttertag erzielt.

3. Nazis nutzten Muttertag für Propaganda

In der Zeit des nationalsozialistischen Deutschlands wurde die Feier des Muttertags in Zusammenhang mit der «germanischen Herrenrasse» gebracht. Besonders kinderreiche Mütter wurden als Heldinnen des Volkes gefeiert, da sie den «arischen Nachwuchs» fördern. Mütter, deren Söhne den Heldentod für das Terrorregime starben, verleihte man ausserdem «Mutterkreuze» als Ehrung. Der Tag wurde später sogar explizit als «Gedenk- und Ehrentag der deutschen Mütter» im nationalsozialistischen Kalender verankert.

4. Andere Länder, andere Sitten

Japanische Mütter dürfen sich am «Haha no Hi» über rote Nelken freuen. Die beliebten Blumen stehen für reine Liebe und sind dort ein Symbol des Feiertags. In Griechenland aber steht der Honigkuchen im Vordergrund. Am Tag der Mama servieren sie zu Hause die traditionelle Süssigkeit. In Afrika gibt es oft kein festes Datum für den Muttertag. In Äthiopien hängt der Tag mit dem Eintreten der Regenzeit zusammen. Die Mütter erfreuen sich dann an festlichem Essen, Tänzen und Liedern.

5. Floristen halfen dem Muttertag bei uns zum Durchbruch

In der Schweiz gaben zwei Gruppierungen 1914 den ersten Anstoss für einen Muttertag: Der christliche Verband Cevi Schweiz und die Heilsarmee. Anfangs fand der Vorschlag nur bei reformierten Pfarrern in der französischsprachigen Schweiz Anklang. Die Heilsarmee berief aus religiösen Gründen im Sommer 1917 erfolgreich einen Ehrentag für die Mutter. Jedoch blieb dieser bis in die 1920er-Jahre auf kleine Kreise beschränkt. Erst durch das Engagement der schweizerischen Floristen und die Medien gelang dem Muttertag 1930 der Durchbruch.

6. Es gibt auch einen Grossmuttertag

In einigen Teilen der Welt wird auch das Grossmami mit einem eigenen Tag geehrt. In Deutschland fällt der Tag auf den zweiten Sonntag im Oktober. Der Omatag findet in vielen Ländern zeitgleich mit dem Grosselterntag statt. Seinen Anfang nahm dieser Ehrentag ebenfalls in den USA: 1978 wird der National Grandparents Day in den Staaten offiziell gefeiert.

7. Wo bleiben die Väter?

Der Vatertag kam Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin auf. Dieser hat sich in der Schweiz bisher jedoch nicht etabliert. Nur von Migrantenfamilien und in Grenzregionen wird er vereinzelt gefeiert. 2007 wurde der Festtag in der Schweiz inoffiziell von der Männerbewegung (männer.ch) eingeführt und wird seit 2009 jeweils am ersten Sonntag im Juni gefeiert. V

Von Riccardo Castellano

Quelle: Schweiz am Wochenende 12.5.2017

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